Susanne Schulz

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Die Diskussion über den Fachkräftemangel in Deutschland ist allgegenwärtig. Allgemein wird dann von einem Fachkräftemangel gesprochen, wenn die Nachfrage nach Fachkräften bestimmter Qualifikationen seitens der Unternehmen größer als das entsprechende Fachkräfteangebot ist.
Bei der vorliegenden Betrachtung des Fachkräftearbeitsmarktes wurden sowohl die Angebotsseite als auch die Nachfrageseite für 12 akademische und 146 nichtakademische Berufsordnungen modelliert. Die nichtakademischen Fachkräfte werden zur übersichtlicheren Analyse in 38 Berufsgruppen bzw. -abschnitte zusammengefasst. Die Differenz aus Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage bezeichnet man bei positiver Differenz als Fachkräfteüberschuss - oder als Fachkräftemangel, sollte die Differenz negativ ausfallen. Die resultierende Größe aus Angebot und Nachfrage ist im folgenden Schaubild auf der rechten Ordinate für alle nichtakademischen Berufe und auf der linken Ordinate für die akademischen Berufe aufgetragen.


Quelle: TU Darmstadt, Ostwald, 2008.

Abbildung 1: Fachkräftemangel bzw. -überschuss in der Rhein-Main-Neckar-Region

Bei Betrachtung der zurückliegenden Jahre von 2000 bis 2007 fällt auf, dass sich Perioden des Fachkräftemangels und des Fachkräfteüberschusses abwechseln. Während zu Anfang des 21. Jahrhunderts sowohl bei akademischen als auch bei nichtakademischen Fachkräften in der Rhein-Main-Neckar-Region ein Mangel bestand, war bereits im Jahr 2003 der höchste Fachkräfteüberschuss des zurückliegenden Zeitraums zu verzeichnen. Der Fachkräfteüberschuss der nichtakademischen Berufe belief sich auf mehr als 188.000 Arbeitsanbieter.
Neben der skizzierten Überschussphase gab es im zurückliegenden Betrachtungszeitraum zwei Mangelphasen. Im Jahr 2000 fehlten knapp 356.000 nichtakademische Fachkräfte, im Jahr 2007 waren es sogar knapp 495.000. Der Mangel an akademischen Fachkräften belief sich in der Region im Jahr 2000 auf rund 22.000 und im Jahr 2007 auf rund 34.000 Fachkräfte. In den Jahren 2000 bis 2007 fehlten insgesamt mehr als 76.000 akademische Fachkräfte.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Phase des Fachkräfteüberschusses bei den Akademikern kürzer war, sie dauerte nur von 2002 bis 2004 an. Bei den Nichtakademikern ging die Überschussphase hingegen von 2002 bis 2005. Darüber hinaus sind die Akademiker in Phasen des Fachkräfteüberschusses eher weniger betroffen, und werden in Mangelphasen im Verhältnis zur Beschäftigung stärker nachgefragt als Nichtakademiker.

Diese Beobachtungen treffen auch auf die Prognose der folgenden Jahre bis 2020 zu. Um das Jahr 2015 herum wird eine weitere Phase hohen Fachkräftemangels erwartet. Unter den Akademikern wird voraussichtlich ein Mangel von knapp 31.000 Fachkräften herrschen. Der Mangel an Nichtakademikern wird voraussichtlich 508.000 betragen. Insgesamt werden im Zeitraum von 2008 bis 2020 ca. 101.500 Akademiker fehlen. In diesem Zeitraum werden ca. 17.000 aufgrund des steigenden Wachstumstrends und rund 14.000 Akademiker aufgrund des altersbedingten Ausscheidens nachgefragt. Der restliche Mangel ergibt sich aufgrund der konjunkturellen Schwankungen. Bei den Nichtakademikern werden bis zum Jahr 2020 sogar knapp 244.000 Personen altersbedingt ausscheiden.
Unter den akademischen Fachkräften treten die größten Fachkräfteengpässe bei den Sonstigen Ingenieuren auf. Bis zum Jahr 2020 werden in der Region knapp 34.000 Sonstige Ingenieure gesucht. Bei den nichtakademischen Berufen werden insbesondere technische Berufe, wie z.B. Techniker des Elektrofachs, aber auch kaufmännische Berufe, wie z.B. Bürofachkräfte, nachgefragt.
Die Frauenquote ist in den akademischen Berufen in den letzten sieben Jahren in der Region um 3,1 Prozentpunkte auf 29,2 Prozent gestiegen. Jedoch ist die Frauenquote insbesondere in den technischen Berufen mit 8,4% im Jahr 2007 noch sehr gering.
Bei den nichtakademischen Fachkräften liegt die Frauenquote im Durchschnitt relativ konstant bei 34,3%. Jedoch sind darin auch Berufe enthalten, wie z.B. Verbraucherberater, mit einer Frauenquote von mehr als 95,0%.

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